Traueransprache für Pfr. Gebhard Luiz

(2 Tim 4,1-8/Lk 11,27-28)
„Den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten ..“

Liebe Angehörige unseres Verstorbenen, liebe Frau Herzog!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonischen Dienst!
Verehrte Trauergemeinde!

Als ich vor einigen Jahren unseren lieben Verstorbenen Pfarrer Gebhard Luiz bat, mir ein paar Gedanken zusammenzustellen, was ihm einmal für seine Begräbnis wichtig wäre, übergab er mir kurz darauf einen Briefumschlag, den ich erst jetzt –nach seinem Tod – öffnete. Darin befand sich lediglich ein Blatt mit einer Kurzbiographie, an deren Ende er formulierte: „Gott hat die Weichen in meinem Leben gestellt.“
Damit ist eigentlich schon alles gesagt! Es ist schön, wenn ein Mensch, ein Christ, ein Priester das als Summe seines Lebens und Glaubens formulieren kann: Gott hat die Weichen in meinem Leben gestellt!
Wir als Trauergemeinde sind heute eingeladen, anlässlich des Todes von Pfarrer Gebhard Luiz den Weichenstellungen nachzugehen, die Gott in seinem Leben gelegt hat. Ich persönlich finde sie sehr schön ausgedrückt in den Worten der Lesung: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“
Den Lauf vollendet …
Unserem lieben Verstorbenen war ein äußerst langer Lebenslauf geschenkt. In wenigen Tagen hätte er seinen 100. Geburtstag feiern können. Noch im wilhelminischen Kaiserreich, ein Jahr vor Ausbruch des ersten Weltkrieges geboren, wurde auch er mit dessen verheerenden Folgen konfrontiert. In der Weimarer Republik aufgewachsen, mündete seine Studienzeit von 1932-1936 schon ein in die Phase der nationalsozialistischen Diktatur. Im Jahr seiner Priesterweihe 1937 durch Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll veröffentlichte Papst Pius XI. das Rundschreiben „Mit brennender Sorge“, in dem das kirchliche Lehramt seine tiefste Besorgnis über die politischen Entwicklungen in Nazi-Deutschland zum Ausdruck brachte. Die Kriegsjahre brachten für unseren Verstorbenen einen Gefängnisaufenthalt wegen „Abhörens von Auslandssendern und Zersetzung der Wehrkraft des deutschen Volkes“ mit sich, wie es damals hieß. Nach verschiedenen Vikarsstellen wurde unser Verstorbener für 8 Jahre Kaplan in Schussenried. Es war eine sehr prägende Zeit für ihn, konnte er doch als Anstaltsgeistlicher am psychiatrischen Landeskrankenhaus viele Einsichten und Erkenntnisse in der Tiefenpsychologie gewinnen, die ihn für seine spätere Tätigkeit als Gefangenenseelsorger geradezu prädestinierten. Schließlich folgte seine längste Dienstphase in Schwäbisch Gmünd, sie sollte  fast 60 Jahre dauern! Neben seiner Tätigkeit in der Justizvollzugsanstalt in Gotteszell wurde ihm die Seelsorgestelle St. Pius übertragen. 1967 konnte er die Einweihung der neu erbauten Piuskirche feiern. Bis zu seiner Pensionierung 2007 im Alter von 94 Jahren, war dieses Gotteshaus seine Kirche, und die versammelten Gläubigen seine Gemeinde. Er war als Verkündiger der frohen Botschaft und als Liturge sehr geschätzt. Zudem wurde Pfarrer Luiz für 10 Jahre zum Dekan des damaligen Dekanats Schwäbisch Gmünd gewählt. Seine Amtszeit fiel in eine Periode großer Veränderungen im kirchlichen Leben, ausgelöst durch das 2. Vatikanische Konzil. Er trug sie beherzt und engagiert mit. Noch im Ruhestand im Seniorenzentrum St. Anna stand er –solange es möglich war – am Altar, spendete das Krankensakrament und besuchte kranke Mitbrüder und Heimbewohner. Durch sein Sterben ist nun ein langer und fruchtbarer Lebenslauf vollendet.
Den guten Kampf gekämpft …
Der priesterliche Weg von Gebhard Luiz stand unter kämpferischen Vorzeichen. Er führte ihn  schon in jungen Jahren in eine existentielle Entscheidungssituation: Wer oder was ist Wahrheit? Wer darf den letzten Anspruch an mich stellen? – Früh „geimpft“ durch seine christlich geprägte Familie, durch seinen Söflinger Heimatpfarrer Franz Borgias Weiß und nicht zuletzt durch sein großes Vorbild, den seligen Pater Rupert Mayer, stand für ihn außer Frage, wer letzte Wahrheit und was letzten Anspruch für ihn bedeutete: Jesus Christus und die Botschaft des christlichen Glaubens. Dies führte ihn in entscheidenden Momenten seiner Berufung in Konfliktsituationen, denen er sich stellen musste. Von unbekannter Seite wurde er denunziert und musste sich die Gefangennahme durch die Gestapo gefallen lassen, ebenso zusammen mit einem Mitbruder den anderthalb jährigen Aufenthalt im Gefängnis in Ludwigsburg und auf dem Hohenasperg. Manche Schikane und die massive Bedrohung des eigenen Lebens konnten freilich unserem Verstorbenen nichts anhaben. Er blieb seiner christlichen Gesinnung treu. Der geistige Kampf gegen den Nationalsozialismus, der Kampf für den christlichen Glauben, aber auch für Anstand, Freiheit und Menschenwürde gehören mitten hinein in das priesterliche Wirken unseres Verstorbenen, es macht ihn für uns so vorbildlich. Er ließ sich in schwierigen Zeiten geistig nicht verbiegen, sondern blieb seinem Lebensentwurf treu: „Christus, der ist mein Leben …“. Auch in späteren Zeiten erwies  er sich als Kämpfernatur, wenn es darum ging, für die Gefangenen in Gotteszell sich einzusetzen, und der Anstaltsleitung durch Beharrlichkeit und Stehvermögen manche Erleichterung und manches Zugeständnis abzuringen. Gebhard Luiz verstand sich als Kämpfer auch für die ihm Anvertrauten. Er hat wirklich den guten Kampf gekämpft!
Die Treue gehalten …
Mit größter Hochachtung, wie es in der Berichterstattung über die Verleihung des Czisch-Preises jüngst hieß, blicken auch wir heute auf das Leben und Wirken unseres Verstorbenen. Und es ist gerade die Treue, das Festhalten an Grundsätzen, das uns so leuchtend vor Augen steht. Gebhard Luiz blieb sich immer treu. Weder eine diktatorisch sich gebärdende Staatsmacht noch autoritär auftretende Funktionsträger konnten ihn einschüchtern. Er wusste sich in allem von einer größeren Macht getragen und gehalten, vom lebendigen Gott. Ihm und Jesus Christus wollte er treu bleiben und den aus dem christlichen Glauben gewonnenen Grundsätzen und Wertvorstellungen. Er hat in der Tat die Treue gehalten!
Hoffnungsvoller Ausblick
Wenn wir uns am Ende seines Lebens nun fragen, was nun seine Zukunft ist, dann verweist uns der Verstorbene selbst auf ein wesentliches Geheimnis unseres Glaubens: die Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel. Dieses Glaubensgeheimnis war Gebhard Luiz sehr wichtig! Und das nicht ohne Grund! Er wurde ja am Vorabend des Hochfestes, am 14. August 1913 geboren. Er wurde am 24. August in seiner Söflinger Heimatkirche, die den Namen „Mariä Himmelfahrt“ trägt, getauft. Genau heute vor zwei Wochen sagte er noch im Blick auf sein nahes Geburtstagsfest, wir feiern die Messe nicht an meinem Geburtstag, sondern am Hochfest Mariä Himmelfahrt, einen Tag danach. Die Beziehung zur Gottesmutter war unserem Verstorbenen sehr wichtig. Als junger Diözesantheologe bereits schloss er sich der Schönstatt-Bewegung an. Er hielt auch ihr und der Priestergemeinschaft die Treue bis zum Schluss. „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ – Diese Worte aus dem Evangelium der Vorabendmesse zum Hochfest Mariä Himmelfahrt passen so recht zum Leben von Pfarrer Gebhard Luiz. In allem ließ er sich von der Botschaft des Glaubens leiten. Stets war sein Blick auch auf das Hoffnungszeichen gerichtet, das die Gottesmutter Maria gerade in ihrer Vollendungsgestalt für das gläubige Volk darstellt. Ihre Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel ist ja Bild und Ausdrucksgestalt für unser aller Vollendung, für die Vollendung aller Glaubenden, auch für die Vollendung jetzt von Pfarrer Gebhard Luiz.  Er ist mit seiner ganzen Person, mit allem, was  ihn ausgemacht hat, vor allem mit seiner Treue und mit seinem Kampf für die Wahrheit,   in die Seligkeit des ewigen Lebens aufgebrochen. Er wird von Gott für seine Treue belohnt werden. Der Kranz der Gerechtigkeit liegt nun für ihn bereit, den der Herr, der gerechte Richter, ihm verleihen wird. Und ganz menschlich gesprochen: Seinen 100. Geburtstag darf er nun im Himmel feiern! Amen.

Münsterpfarrer Robert Kloker

 


Aufs Vertrauen kommt es an!“

Textbezug: Lk 5,1-11

Liebe Schwestern und Brüder, was für ein Jubiläum,
stimmt an ein großes Tedeum,
die Bockmusik gibt es seit 25 Jahr,
ein tolles Ereignis fürwahr.

Ein Geistlicher aus dem schwarzen Wald,
- Er wurde leider nicht sehr alt! –
Hatte die glänzende Idee,
Zum Frühstück trank der nicht nur Tee.

Eine Veranstaltung anzubieten,
freilich nichts für Faschingsnieten,
wo auch die Christenleute sind gefragt,
sich zu beteiligen an der närrischen Tat.

So geht das nun schon ein Vierteljahrhundert,
in Schwäbisch Gmünd s’auch niemand mehr wundert,
am Sonntag vor Aschermittwoch ganz keck,
werden auch Christenmenschen total jeck.

Im Großen Franziskanersaal ist der Platz,
dahin springen Sie alle mit einem großen Satz,
Jubel, Trubel, Heiterkeit,
noch keinen hat der Weg gereut.

Der Zengerle Andreas übernimmt das Ruder,
bändigt auch die größten Luder,
Diakon Baumgarten sorgt für den Ton,
und alles singen und schunkeln schon.

So manches närrische Talent man findet,
das von großartiger Kreativität uns kündet,
auch mancher Pfarrer wird da aktiv,
studiert die närrische Rede intensiv.

Ein großes Geschick beweist Pfarrer Ritz,
er hat einen ganz besonderen Witz,
erfreut uns stets mit tiefsinnigen Gedanken,
manche schon fast in Betäubung versanken.

Leider, leider in diesem besonders Jahr,
der närrische Geist ist gar nicht da,
befindet sich auf großer Fahrt im Mittelmeer,
so schnell komm der da nicht her.

Dieses Faktum bietet mir aber die rechte Brücke,
damit die Predigt bekommt keine Lücke,
denn vom Fahren über das galiläische Meer,
ist heute im Evangelium die Rede sehr.

Wir hören da von Jesu Jüngern,
die kamen doch sehr ins Schlingern,
Fischen im See war ihre Profession,
mit Leidenschaft, mit Passion.

Freilich: Erfolgsverwöhnt waren die nicht,
sie werfen ihre Netze des Nachts in die Gischt,
das Unternehmen mag nicht recht gelingen,
wer könnte davon nicht auch ein Lied singen?

Die leeren Netze der Jünger erinnern mich schon,
an manche  Unternehmung ohne richtigen Lohn,
die wir auch heute in der Kirche so treiben,
und der Erfolg zeigt sich nur in dünnen Scheiben.

Halbleere Kirchen, viele „Leichen“ in den Karteien,
das Ende der Kirche schon manche prophezeien,
Kinder und Jugendliche sich kaum zeigen,
viele Skeptiker schon die Häupter neigen.

Kirche, wohin gehst du?
Ist das nicht alles nur noch Schmu???
So fragen sich viele in diesen Tagen,
wer würde noch Erfolg uns zusagen???

Doch, ihr frommen Christenleute,
hören wir die Botschaft richtig heute,
nicht nur vom Misserfolg ist da die Rede,
sondern auch von einer wunderbaren Wende.

Der Herr selber bringt das  Zustande,
nachdem die Jünger sind am Rande,
heißt er sie noch einmal zu fischen,
dann könnten sie sitzen an gefüllten Tischen.

Aufs Vertrauen kommt es scheinbar an,
damit sich was bewegen kann,
auf Jesu Wort werfen sich nochmals aus,
und dann wird auch was draus.

Als Kapitän auf dem Schiff der Seelsorgeeinheit,
nehme ich mir heute dafür Zeit,
Euch das Gottvertrauen ans Herz zu legen,
Euren Glauben eifrig zu pflegen

Mit Jesus im Boot geht alles gut,
darum, ihr Christen, fasset Mut,
mag auch sich wandeln mancher Brauch,
die Botschaft wird nie Schall und Rauch.

Die Angst schon immer ein schlechter Ratgeber ist,
wer glaubt, es sei alles nur Mist,
der lasse sich eines Besseren belehren,
der solle dem Zweifel den Rücken kehren.

Zu Menschenfischern sind auch wir  heute bestellt,
zu suchen die Menschen im Leid dieser Welt,
die Netze des Glaubens auch heute ausschicken,
einfangen darin, die Schmalen, die Dicken.

Das Meer der Welt ist auch heute noch voll,
da schwimmen Fische, ach wie toll,
sie wissen noch gar nichts  von ihrem Glück,
bringt ihnen doch den Glauben zurück!

Ich glaube, wir dürfen auch heute es wagen,
den Menschen auf dieser Welt die Botschaft zu sagen,
dass Gott sie alle schätzt und liebt
und keinen von ihnen verloren gibt.

Menschenfischer zu sein ist eine Ehre,
damit der Leute Glauben sich mehre,
sendet der Herr uns auch heute aus,
macht euch ruhig ein Vergnügen daraus.

Beherzigt auch die Gedanken von Nietzsche, dem Philosophen.
Der hält die Christen für einen erkalteten Ofen,
weil sie ihm nicht erlöst genug aussehen
zum Lachen lieber in den Keller gehen.

Tragen wir doch auch auf unserem Gesicht,
mehr Freude und Frohsinn mit Gewicht,
im Wissen darum, dass Gott uns liebt
seine Gnade und Zuwendung gibt.

Das ist das beste Rezept gegen Glaubensschwund
Wenn wir singen und beten mit frohem Mund,
die andern sollen spüren, die Christen sind echt,
die glauben an Jesus, und das nicht schlecht.

Glaubensfreude ist gefragt,
Zuversicht auch angesagt,
steht zu eurer Überzeugung,
vertretet glaubwürdig eure Meinung!

Dann werden auch morgen die Netze nicht leer,
dann kommen auch in Zukunft Christen her,
um mit uns zu feiern, in Gottes Namen
und dazu sage ich: Amen!

Münsterpfarrer Robert Kloker

 


Traueransprache für Stephan Kirchenbauer-Arnold

Textbezug: Jes 11,1-4a.10

Lieber Herr Oberbürgermeister Richard Arnold, liebe Angehörige unseres Verstorbenen,  ihre königliche Hoheit, verehrte Trauergemeinde!
Schwäbisch Gmünd trauert! – Das ist nur eine von so vielen Stimmen, die nach dem Bekanntwerden des Todes von Stephan Kirchenbauer-Arnold durch die Presse geisterten. Und wirklich, dieser Tod hat so viele Emotionen hervorgerufen, hat so viel Solidarität unter den Trauernden erweckt wie wohl selten. Wir alle spüren: Ein ganz besonderer, ein wertvoller und wertgeschätzter Mensch ist da am Montagabend von uns gegangen.
Bilder steigen auch in mir auf, die sicherlich viele aus der großen Trauergemeinde mit mir teilen werden: Das erste Bild: Es war genau heute vor einer Woche, als sich die Staufersaga-Familie, wenn ich so sagen darf, zur Weihnachtsfeier hier im Münster versammelte. Es war unserem Verstorbenen ein großes Anliegen, dass diese Feier so stattfinden durfte und dass er selbst – trotz sehr starker körperlicher Schwächung – daran teilnehmen konnte. Nach dem Gottesdienst war es eine lange Schlange von Mitfeiernden, die den Kontakt zu ihm suchten, es war das letzte Mal in diesem Leben.  Ein zweites Bild: Vor einiger Zeit wurde ich am Fernseher in den Landesnachrichten überrascht. Da war plötzlich unser Verstorbener zu sehen, wie er mit einer Abordnung aus Schwäbisch Gmünd in Bregenz war, und Requisiten sehr geschäftig und umtriebig von der Seebühne zusammenpackte, um sie für das geplante Barockfest auf der Landesgartenschau 2014 schon einmal „in Sicherheit zu bringen“. – Nur zwei kleine Eindrücke aus seinem reichen Leben, die aber doch etwas von der Dynamik und Dramatik, vor allem des letzten Lebensjahres von Stephan Kirchenbauer-Arnold zum Ausdruck bringen.
Wenn ein solch vor Leben und Ideen strotzender Mensch im Alter von 52 Jahren von uns geht, da sind wir alle sprachlos, auch wir Theologen, wir Gottkünder. Welcher Sinn steckt dahinter? Was soll man dem Positives abgewinnen können? Was soll man sagen? -  Genau so geht es auch mir. Deswegen möchte ich für uns alle auch ein Bild sprechen lassen. Es stammt aus der Adventsliturgie – wir stehen ja kurz vor Weihnachten - , aber es ist vor allem ein biblisches Trauer- und Trostbild. Und beides scheint mir für heute wichtig zu sein: dass unsere unendlich große Trauer in einem Bild Widerhall finden kann, dass wir aber auch Trost und Halt in diesem Bild erfahren können. Es ist schließlich auch das Bild, das wir letzten Freitag mit unserem lieben Verstorbenen zusammen bei der besagten Weihnachtsfeier besungen haben: „Es ist ein Ros entsprungen..“.
In die trostlose Situation des Volkes Israel hinein, das sich im babylonischen Exil befindet und mit dem untergegangenen davidischen Königtum seinen Identifikationskern verloren hat, spricht der Prophet Jesaja folgende Worte: „An jenem Tag wächst aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.“
Finden wir uns in unserer Trauer nicht in einer ganz ähnlichen Situation? Sind wir nicht auch wie leblose Baumstümpfe? Da ist ein Mensch von uns gegangen, der so viel bewegt, angestoßen und ermöglicht hat. Wir spüren schmerzlich den Verlust – und sind wie gelähmt.
Er selbst war ja wie ein fruchtbarer Baum, der nun gefällt scheint. Er selbst hatte unendlich viele und reiche Begabungen im künstlerisch-musikalischen Bereich, aber vor allem auch im menschlichen Bereich und darin lag wohl seine allergrößte Befähigung, dass er so viele Menschen mit seinen Talenten mitreißen und begeistern konnte, so dass sie sich gerne seinen Unternehmungen öffneten und zu Mitträgern und Mitmachern wurden. Nicht erst die schon legendäre Staufersage stellte es in diesem Jubiläumsjahr in Schwäbisch Gmünd unter Beweis, sondern auch viele andere Projekte, die Stephan Kirchenbauer-Arnold anstieß und zu einem Erfolg werden ließ. Mit seinem Lebenspartner, seinen Angehörigen und seinem Freundeskreis trauert unsere ganze Stadt um einen beeindruckenden Menschen, der uns viel geben konnte, der aber auch selber, gerade in den Tagen der Krankheit, durch das gemeinsame Projekt der Staufersaga viel Kraft schöpfen konnte. Halten wir also einen Augenblick inne, in der Trauer, die in uns ist, über den Verlust dieses Menschen, der uns selber wie leblose Baumstümpfe zurücklässt. ( kurze Stille)
Freilich, wir wollen nicht nur im Trauerbild verharren, sondern –wenn immer möglich – auch Trost schöpfen. Das biblische Bild lädt uns gerade heute auch dazu ein. Dem alten Gottesvolk  wurde es hineingesprochen in eine äußerst prekäre politische Konstellation, uns, liebe Trauergemeinde, wird es hineingesprochen in die Verlusterfahrung, in die Tristesse der Trauer um Stephan Kirchenbauer-Arnold. Und die Trostbotschaft heißt: Auch aus einem abgehauenen Baumstumpf heraus kann Gott noch einmal Leben erwecken, es gibt „Seitentriebe der Hoffnung“.
Ich möchte solche in dieser Trauerfeier benennen:
-Da ist zunächst der Glaube an die Auferstehung, der wesentlich, ja zentral, zu unserem christlichen Glaubensgut gehört. Wir wollen für unseren so früh vollendeten Verstorbenen erhoffen, dass er in seinem Sterben nicht ins Nichts gefallen ist, in ein kaltes Dunkel. Vielmehr gibt uns der Glaube an die Auferstehung die Zuversicht, dass er am Ziel ist. Sein Leben in der Ewigkeit ist endgültig eingewurzelt  in die Liebe Gottes. Er ist erlöst von den Schmerzen und Peinigungen einer zermürbenden Krankheit. Sein fruchtbarer Lebensbaum, der so früh –irdisch gesehen- gefällt wurde, lebt auf und erblüht neu im Paradiesgarten Gottes.
-Da ist für ein zweiter Seitentrieb der Hoffnung, den uns unser Verstorbener selbst in die Hand gibt. Erinnern wir uns:  Er war auch und gerade in seiner Krankheitsphase so voller Leben, voller Planungen, voller Aktivität. Er hat uns damit ein großartiges Beispiel gegeben und er wird uns selber in dieser Abschiedsstunde zum Hoffnungsträger! Ich meine ihn sagen zu hören: Bleibt am Werk, lasst nicht nach, macht in meinem Sinn, in meinem Geist weiter! Es gehörte mit zu seiner Wesensart, dass er in seinen großen Zielen und Projekten ehrgeizig, energisch, leistungsorientiert, ja auch pedantisch sein konnte. Seine kraftvolle Art, Dinge anzupacken und umzusetzen, soll uns weiterhin inspirieren und motivieren. So bleibt er uns nahe auch in Zukunft.
-Einen dritten Seitentrieb Hoffnung möchte ich nennen: Als ein wesentliches Element seines geistigen Testamentes hinterlässt uns Stephan Kirchenbauer-Arnold den Wunsch, eine Kapelle in Herdtlinsweiler zu bauen. Es ist ein Wunsch, der nicht erst in der letzten Zeit gereift ist, sondern der ihn umtrieb, seit er seinen Wohnsitz dort nahm. Kirchen und Kapellen sind Orte des Glaubens und der Hoffnung. Solche Zeichen und Orte des Glaubens waren unserem Verstorbenen wichtig. Ob der spanische Jakobsweg oder der intime französische Wallfahrtsort Conques, er ließ sich von der mystisch-spirituellen Kraft dieser Orte ansprechen. Suchen wir gerade auch in unserer großen Trauer um Stephan Kirchenbauer-Arnold dort Hoffnung und Trost, wo er uns selber hin verweist, an Orte der spirituellen Kraft, an Orte, die uns die tröstliche Nähe Gottes vermitteln. Möge die künftige Kapelle in Herdtlinsweiler zu einem solchen Trost- und Hoffnungsort für viele heute Trauernde werden.
Lieber Herr Oberbürgermeister, Ihnen ganz persönlich, aber auch uns allen möchte ich zum Schluss Worte von Dietrich Bonhoeffer zusprechen, die mir ein uns gemeinsam befreundeter Mensch kurz nach dem Tod von Stephan Kirchenbauer-Arnold zugesteckt hat: „Es gibt nichts, was die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen kann. Je schöner und wertvoller die Erinnerung, desto härter die Trennung; aber die Dankbarkeit schenkt in der Trauer eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.“
Das wünschen wir alle Ihnen. Amen.

Münsterpfarrer Robert Kloker
  


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